Ein eigener Raum, für wen eigentlich?

2016 / Mit Jannik Franzen / Ortsspezifische Installation Bleistift/Tuschzeichnung auf Leichtschaumplatte; Schild (1912)*

Das 100 Jahre alte vergoldete Türschild der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) wird vorübergehend in den Ausstellungsraum bewegt und an seinem ursprünglichen Platz ein provisorisches leeres Schild installiert.

Die VBKÖ wurde 1910 gegründet und hat bis heute ihren Sitz im Dachgeschoss der Maysedergasse 2, im 1. Wiener Bezirk. In der Vereinigung spiegeln sich Traditionen von Ein-/Ausschlüssen, Ambivalenzen und Widersprüche feministischer Organisationen und Geschichtsschreibungen wider. Der lange Kampf für Sichtbarkeit und beruflicher Anerkennung der Künstlerinnen ist tief verwoben mit imperialistischer und nationalsozialistischer Ideologie und Gewalt, zeigt emanzipative Strategien der Netzwerkbildung adliger und bürgerlicher Frauen und macht gleichzeitig die Verdrängung von Frauen, die nicht ins Profil der VBKÖ passten, unsichtbar. Seit 2010 positioniert sich die VBKÖ als kollektives Board, das im Kontext von künstlerischen Produktionen und Ausstellungen queer-feministisch handeln und sich darin vernetzen will.

Seit Sommer 2015 bin ich selbst im Vorstand der VBKÖ tätig. Im Rahmen der Ausstellung AAA ASSES AFFECTS ARCHIVES, kuratiert von Elke Auer und Ruby Sircar, entwickelten Jannik Franzen und ich gemeinsam die ortspezifische Installation Ein eigener Raum, für wen eigentlich? Die Arbeit fragt nach historischen und gegenwärtigen Ein-/Ausschlüssen innerhalb feministischer Bewegungen und Orte und deren zögerlichen Veränderungs- und Wahrnehmungsprozesse bei gleichzeitiger Partizipation an rassismuskritischen und queer-feministische Debatten und Handlungen.

Die temporäre Verschiebung des originalen Schildes und die Platzierung eines neuen, leichten und textlosen Schildes ruft unterschiedliche, teils recht emotionale Diskussionen unter dem Board, Mitgliedern und Besucher*innen der VBKÖ hervor.

Fotos: © Julia Gaisbacher, Jannik Franzen, Johanna Kirsch, Marion Porten

*Maße der Schilder; 150 x 40 cm


@ Julia Gaisbacher