Stop Acting, – The Truth Is Real!

2007 / Video / PAL 4:3 / 14:00 min. color / sound

Man schreibt dem Authentischen besonderen Wahrheitsstatus zu, weil es durch sich selbst das Wahre ist, das Nichtvermittelte, Nichtdargestell-
te. Damit aber deutlich werden kann, dass das so ist, ist Darstellung nötig. Die Darstellung von Nichtdarstellung
." (Jan Berg)

Marion Porten lädt die ukrainische Schauspielerin Tamara Plaschenko in einem Kiewer Theater zu einem Interview über ihre persönliche Karriere und Schauspielausbildung ein. Der gesprochene Text wird transkribiert, Körperhaltungen und Gesten werden notiert und dem Text als Regieanweisungen hinzugefügt. Fragmente des Interviews werden reinszeniert.
Im Mittelpunkt steht eine Anekdote aus dem Bühnenleben der Schauspielerin. Scheinbar spontan erzählt sie das Erlebnis einer quasi Selbstbegegnung auf der Bühne. Bekannt geworden durch Auftritte in der Tschernobyl-
Zone kurz nach der nuklearen Katastrophe, schaut sich Tamara Plaschenko Jahre später ein Stück im Ausland an, in dem eine Schauspielerin, sie selbst (Tamara) zu spielen scheint. 

Die Sprache wechselt von ukrainisch über deutsch zu englisch. Der ukrainische Witz, den Tamara Plaschenko innerhalb der oben erwähnten Anekdote erzählt, doppelt den schauspielerischen Akt im Rahmen der Darstellung, als den in aller Welt vollführten kürzesten Schauspiel-Akt schlechthin, und bildet gleichzeitig die politischen Verhältnisse zu jener Zeit an jenem Ort ab. Die geschriebene, übersetzte Pointe verdeutlicht auf einfache Weise, (sie reimt sich nicht wie das Original, noch ist sie lustig ohne das Kontext-
wissen), wie der Transfer in andere Kulturkreise und Kontexte Bedeutungsverschiebungen und neue Lesarten produziert. In anderen Szenen halten sich die englischen Untertitel mitunter nicht an das gesprochene Wort und verweigern ihre Aufgabe.

Das Setting in einem Kiewer Theater bildet durch die statische Kamera, die Ausleuchtung und den schwarzen Hintergrund einen klaren insze-
nierten Rahmen. Durch die Interviewsituation entstehen jedoch zugleich immer wieder (pseudo-) dokumentarische Momente. Das grobe Editing als letzter Eingriff in die Szenerie hebt einmal mehr das Manipulationsspektrum des Mediums Video hervor.

Video: PAL / 4:3 / 14:00 min.
Performer: Tamara Plaschenko
Language: Ucrainian & English subtitles

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