Wunderwelt Verhaltensforschung

2001–2003 / Multimedia-Skulptur

Wunderwelt Verhaltensforschung hinterfragt anhand des Themas der „Homosexualität im Tierreich“ die Konstruktion und Vorstellungen von Natur und Geschlecht. In einer robusten Holzskulptur, eine Art mobiles Miniatur-Naturhistorisches-Museum, bekommt das meist unbeachtete Randthema einen Raum, den es innerhalb der Verhaltensforschung nicht einnimmt.

Mit den unterschiedlichsten Medien, z.B. Diaprojektion, Zeichnung, Video, Puzzle, Tiermodell, usw., werden darin ausgewählte Tierarten vorgestellt. Durch eine Audioführung erhalten die Betrachter_innen Informationen über das homosexuelle Verhalten der jeweiligen Tierart und bekommen gleichzeitig einen Einblick, wie die Biologie das Phänomen behandelt und beurteilt hat.

Jede der 8 Stationen zeigt dabei einen Paradigmenwechsel, der die Bewertungsmechanismen ihrer Zeit sichtbar macht. Die erste Station beginnt mit Aristoteles, der bei der Beobachtung von Hyänen keine weiblichen Tiere ausfindig machen konnte, weil alle Tiere einen „Penis“ aufwiesen. Es folgen Interpretationen, bei denen homosexuelles Verhalten als abnormale Verirrungen, Dominanzgebärden und altruistische Strategien eingeordnet werden. Die letzte Station entlässt die Betrachter_innen mit einem Blick auf eine Schimpansin im Amsterdamer Zoo, die für Werbezwecke als „lesbisch“ betitelt wurde. Natur als Projektion, Konstruktion, Spiegel gesellschaftlicher Werte.

(Text: Julia Schmid, Rolf Bier, Marion Porten)

Voice over: Carolina Sauer
Language: German

Ausstellungsansicht: "Nach der Natur" / Kunstverein Wolfsburg / 2002 © Bernd Rodrian