Binary Reflections. Part01: One or two thoughts on incompleteness

von Kathrin Wojtowicz 

What language do you speak?

In ihrer Begegnung mit der antiken Skulptur „Hermaphrodite endormi“ im Louvre, Paris, konfrontiert Marion Porten fragmentarische Bildkompositionen mit der ambivalenten Situation der Sichtbarkeit von Identitäten. Dicht gedrängt begutachtet eine Menschentraube das prominente Kunstwerk in der Ausstellung. Dabei offenbaren sich kategorisierende Zuschreibungen und Erklärungsmuster von Geschlechterkonstruktionen. Details portraitieren die Positionierung der Künstlerin zur Skulptur, die auf einem Sockel mit darauf liegender Marmormatratze gebettet ist. In Nahaufnahmen richtet sich die Handkamera auf den Fuß, die abgebrochene Hand, auf Risse und Klebestellen der Skulptur, die in Binary Reflections als personifiziertes Gegenüber angesprochen wird. In welcher Sprache sprechen wir? Wer spricht mit wem? Die Zwiesprache der Künstlerin mit der Skulptur wird kontrastiert von einem lyrischen Bericht über einen Zwilling im Spiegel: „i am a full, a half. a double. a twin. identical. i am – a mirror image.“ Im Schulterschluss mit dem Artefakt „Hermaphrodite endormi“ benennt Marion Porten eine persönliche Geschichte – „i dressed in blue. we split again. i disconnected myself from her ... and me.“ Durchdringender Trommelsound unterbricht die Louvre-Szenen: Analog zu den Aufnahmen im Museum werden (wieder und wieder) dokumentarische Ausschnitte einer Performance montiert – Hände, Trommeln und rhythmisch laufende, pinke Chucks gehören zum Kollektiv The Fluffy Pink Drummers, das in einem Queer-Pride-March demonstriert. Der Unabschließbarkeit von Identitäten entsprechend balanciert die Kamera in instabilen Einstellungen zwischen und innerhalb der Bilder.   


veröffentlicht 2015 auf www.sixpackfilm.com