The Way You Move / Warum etwas zeigen, was man sehen kann?


Julia Schäfer, Kuratorin, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 2006


Marion Porten hat in der Arbeit The Way You Move Populärliteratur über Körpersprache studiert. Soziale Rollen manifestieren sich bereits früh: im Elternhaus, in der Schule. Die Künstlerin hat drei Gesten, die auch Titel ihrer Videos sind, näher studiert: The Beard Stroke (Sich über den Bart Streichen), Take of a Sweater (Sich den Pulli ausziehen) und die Manager Geste/Arms Behind (Manager Geste). Sie selbst stellt diese als Person z.T. nach, denn: „Über die Nachahmung einer Geste wird der spezifische Charakter des körperlichen Selbstausdrucks eines anderen Menschen erfasst. In der Anähnlichung an seine Gesten werden seine Körperlichkeit und seine Gefühlswelt erfahren. Über die Mimesis gestischer Inszenierungen erfolgt ihre Verinnerlichung“ (Gunter Gebauer/Christoph Wulf).

Die unterschiedliche Besetztheit der Gesten je nach Geschlecht und Kultur wird anhand von Fotos und Audiotexten deutlich. Porten decodiert die Körpersprachen mit Hilfe einer Trickfilmanimation. Im Film The Beard Stroke kann man nachvollziehen, dass das Making of des Films stellvertretend für den Ansatz der ganzen Arbeit steht: etwas studieren, untersuchen, sezieren um es anschließend wieder zusammenzusetzen, um es sichtbar zu machen.

Die Manager Geste zitiert nicht nur das Gebaren einer Chefgeste oder das laszive Hände-hinter-den-Kopf-Verschränken eines Models. Hier ist die Skulptur bzw. das Möbel auf dem die beiden Ansichten im Bilderrahmen stehen selbst zum Träger von Macht und zur Repräsentation von Geschlechtsspezifik geworden: Nelson Rockefeller, so ein Zitat von Felicitas Roosevelt, habe einen „Trick-desk“ (einen Zaubertisch) gehabt. Eine herausziehbare Treppe im Tisch ermöglichte ihm, seine Mitarbeiter von oben herab zu instruieren und zu dominieren. Das Display von The Way You Move bietet inhaltlich und räumlich auch eine Referenz zu Burrs Skulptur Quartered. Burrs Boxkampf kann nur geistig stattfinden, ebenso, wie Portens raumgreifende Möbel nicht begehbar sind: sie sind aus Pappe. Beim Betreten fiele sie in sich zusammen. Das übertriebene Möbelzitat macht aus dem Managertisch eine geistig begehbare Bühne, die auch durch ihre dramatische Beleuchtung eher ans Theater als an ein Büro denken lässt. Was jedoch hier passiert, ist, dass Geschlechtsspezifik etwas sehr Konkretes bekommt. BesucherInnen haben nicht selten an sich selbst ausprobiert, wie sie sich verhalten und was an ihnen sozialisierte Geschlechterrollen repräsentiert und wie sie selbst den Pullover ausziehen.